Historikerin aus Leidenschaft, Schriftstellerin aus Überzeugung — und jemand, der in Archiven glücklicher ist als anderswo.
Marlies Ernst · Autorin
Geschichte hat mich schon immer mehr interessiert als die Menschen, die darin vorkommen — nicht Schlachten und Daten, sondern die Fragen: Wie hat sich das angefühlt? Was hat man gewusst, was nicht? Wie hat man morgens aufgestanden und einen Tag gelebt, der uns heute fremd erscheint?
Diese Fragen sind es, die mich zum Schreiben gebracht haben. Nicht der Wunsch, Romane zu verfassen, sondern der Wunsch zu verstehen — und das Entdecken, dass Romane der direkteste Weg dorthin sind.
Ich schreibe historische Romane, weil sie das einzige Format sind, das es erlaubt, in vergangene Zeiten wirklich hineinzugehen. Nicht zu beschreiben, was war. Sondern zu erleben, wie es sich angefühlt haben könnte.
Mein Schwerpunkt liegt auf Epochen, die Frauen besonders viel zugemutet haben — und in denen Frauen trotzdem Wege gefunden haben. Das Tudor-England des 16. Jahrhunderts, das viktorianische London des 19. Jahrhunderts, der Dreißigjährige Krieg des 17. Jahrhunderts. Drei sehr verschiedene Welten. Dieselbe Grundfrage: Wie viel Raum bekommt ein Mensch, der keine Macht hat — und wie nutzt er ihn trotzdem?
Joan, Cari, Margret, Wiona, Ilona — sie alle leben in Zeiten, die ihnen wenig Spielraum lassen. Und sie alle finden trotzdem Wege. Das ist keine moderne Projektion: Die Geschichte ist voll von solchen Frauen. Sie wurden nur selten aufgeschrieben.
Ein falscher Schuh, der falsche Dialekt, eine Geste, die man missdeutet — im 17. Jahrhundert kann das das Leben kosten. Diese Mikrodetails sind es, die eine historische Welt lebendig machen. Dafür sitze ich stundenlang in Quellen, für einen einzigen richtigen Satz.
Olaf, der sich im 17. Jahrhundert beschwert, dass niemand seine Expertise wertschätzt. Joan und Cari, die einander mit sachlicher Zärtlichkeit durch Katastrophen navigieren. Humor ist keine Abschwächung des Ernstes — er ist das, was Menschen überleben lässt. Das gilt für meine Figuren. Und meistens auch für mich.
Ein Roman entsteht bei mir nie am Anfang mit Figuren oder Plot. Er entsteht mit einer Frage — meistens eine, die ich nicht loslassen kann, weil die Antwort mich überrascht hat.
Beim Dreißigjährigen Krieg war es: Was wäre, wenn jemand mit modernem Wissen dort landet — und dieses Wissen fast nichts nützt? Bei Margret: Was brauchte eine Frau im Tudor-London wirklich, um wirtschaftlich unabhängig zu werden?
Die Recherche kommt zuerst. Dann die Figuren. Dann der Plot — der sich meistens selbst ergibt, sobald die Figuren lebendig genug sind, um Entscheidungen zu treffen.
Was hat mich so fasziniert, dass ich ein ganzes Buch dazu schreiben will?
Primärquellen, Fachbücher, Stadtarchive — bis die Epoche sich wie eine vertraute Stadt anfühlt.
Wer lebt in dieser Welt? Wer hat etwas zu verlieren — und trotzdem etwas zu gewinnen?
Der Teil, der am meisten Disziplin braucht. Und der einzige, der sich manchmal anfühlt wie Magie.
80% der Recherche kommt nicht ins Buch. Das ist kein Verlust — das ist das Fundament.
Ich freue mich über Leserbriefe, Fragen zu den Büchern und historische Kuriositäten, die zu gut sind, um sie für sich zu behalten.
Für Presseanfragen, Leserunden oder Kooperationen bitte direkt per E-Mail melden. Ich antworte persönlich — auch wenn es manchmal ein paar Tage dauert, weil ich gerade im 16. Jahrhundert bin.